Die rechtliche Vorgehensweise

Seit Inkrafttreten des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes müssen Arbeitgeber während des Einstellungsprozesses besonders achtsam sein. Auch eine nicht intendierte oder nur nicht widerlegbare Ungleichbehandlung kann finanzielle Folgen nach sich ziehen.

Dabei kann einem abgelehnten Bewerber im schlimmsten Fall sowohl der Ersatz eines entstandenen Schadens, wie etwa Kosten für die Bewerbung und ein entgangenes Einkommen, als auch eine Entschädigung von 1 - 3 Monatsgehältern zugesprochen werden. Aus diesem Grund sollten Sie Ihre Stellenanzeige, die Fragen Ihres Bewerbungsgesprächs, sowie den Auswahlprozess sorgfältig auf eine Ungleichbehandlung hin prüfen. Eine Dokumentation des gesamten Bewerbungsvorgangs erleichtert hierbei die Widerlegung einer Ungleichbehandlung.

Unterscheidungskriterien

Grundsätzlich ist eine Ungleichbehandlung auf Grund folgender Kriterien verboten:

  • Geschlecht
  • Rasse oder ethnische Herkunft
  • Religion oder Weltanschauung
  • Behinderung
  • Alter und
  • sexuelle Identität

Kann der Arbeitgeber eine Ungleichbehandlung nicht widerlegen, ist bereits eine missverständliche Formulierung in der Stellenanzeige, die eine Benachteiligung vermuten lässt, zur Begründung eines Anspruchs ausreichend. Achten Sie aus diesem Grund sehr sorgfältig auf den Wortlaut Ihrer Ausschreibungen und vergessen Sie nie den Zusatz (m/w).

 

Beispiele

Wie leicht ein Arbeitgeber dabei gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verstoßen kann, zeigt die folgende Aufstellung.

Kriterien

Beispiel

AGG-gerechte Formulierung bzw. Zulässigkeit in Ausnahmefällen

Geschlecht

- Verkäufer gesucht

- Abteilungsleiter gesucht

- Freie Stelle im Verkauf zu besetzen

- Abteilungsleiter (m/w) gesucht

Rasse oder ethnische Herkunft

- Deutscher Mitarbeiter im Verkauf gesucht

- Deutschsprachiger Mitarbeiter im Verkauf gesucht

Religion oder Weltanschauung

- Katholischer Mitarbeiter gesucht

- Zulässig bei Beschäftigung durch eine Religionsgemeinschaft

Behinderung

- Körperlich uneingeschränkt leistungsfähiger Mitarbeiter gesucht

- Nur zulässig aus wesentlichen betrieblichen Gründen

Alter

- Mitarbeiter für ein junges und dynamisches Team gesucht

- Mitarbeiter mit langjähriger Erfahrung gesucht

-unzulässig

 

 

- Mitarbeiter mit 2-jähriger Berufserfahrung gesucht (nur, wenn für Stelle erforderlich)

Sexuelle Identität

- Frage im Bewerbungsgespräch nach dem Lebenspartner

- unzulässig

 

Ausnahmen

Eine Ungleichbehandlung auf Grund der Rasse oder ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität kann in Ausnahmefällen zulässig sein. Daneben bestehen besondere Ausnahmetatbestände für eine Ungleichbehandlung wegen der Religion und Weltanschauung und wegen des Alters.

 

  • Ausgleich bestehender Nachteile

Eine Ungleichbehandlung ist zulässig, wenn durch die Maßnahme bestehende Nachteile ausgeglichen oder verhindert werden. Diese Ausnahme greift beispielsweise bei der gezielten Förderung der Jugend oder von Frauen bei der Stellenbesetzung. § 5 AGG

 

  • Berufliche Anforderungen

Eine unterschiedliche Behandlung ist darüber hinaus zulässig, wenn das Geschlecht, die Rasse, das Alter etc. wegen der Art der auszuübenden Tätigkeit oder der Bedingungen ihrer Ausübung eine wesentliche und entscheidende berufliche Anforderung  darstellt, sofern der Zweck rechtmäßig und die Anforderung angemessen ist. (Beispiel: Eine weibliche Schauspielerin wird gesucht.) § 8 AGG

 

  • Religion und Weltanschauung

Eine Ungleichbehandlung auf Grund der Religion oder Weltanschauung ist zulässig, bei einer Beschäftigung durch Religionsgemeinschaften und die ihnen zugeordneten Einrichtungen. § 9 AGG

 

  • Alter

Eine Ungleichbehandlung auf Grund des Alters ist zulässig, wenn sie objektiv und angemessen und durch ein legitimes Ziel gerechtfertigt ist. Die Mittel zur Erreichung dieses Ziels müssen angemessen und erforderlich sein. § 10 AGG